Eingebunden in ein Resonanzsystem

„Für alle Menschen gilt: Wir verändern uns, wenn sich die Welt um uns verändert. Wir und die Welt, das ist ein Resonanzsystem. Wenn wir eine neue Rolle in der Gesellschaft einnehmen, am Arbeitsplatz oder in der Familie, dann verändern wir uns ein Stück weit. Und da sich die Welt ständig wandelt, wandelt sich andauernd auch unser Selbst. Was immer wir auch tun oder auch nicht tun, wem auch immer wir begegnen: Ständig erhalten wir Rückmeldungen und ziehen daraus unsere Konsequenzen. Dann schwingen wir mit dem mit, was uns entgegengebracht wird. Oder wir leisten Widerstand, weil uns nicht gefällt, was wir da gerade ausgelöst haben. Wir erfahren, dass wir mit der Art, wie wir uns verhalten, auf positive oder negative Resonanz stoßen, und ziehen unsere Schlüsse daraus. So wandelt sich unsere Persönlichkeit im Widerhall auf das Leben. Das beginnt schon in frühester Kindheit – und es hört niemals auf. … Das Leben verändert uns, unsere Lebensentscheidungen bleiben daher nicht folgenlos für unseren Charakter.“

(Berndt. C. (2020): Individuation, dtv, München, S. 111, 136).

Die persönliche Reflexion – der geistigen und körperlichen Wahrnehmung im Wechselspiel mit unserer Umwelt – ist hier der Schlüssel für ein Leben, das uns gut tut. Hier spielen auch die eigenen Intentionen eine wesentliche Rolle.

Logik der Angemessenheit

„Die Annahme vollständig (ökonomisch) rationaler Entscheidungen in Organisationen wurde schon früh in Frage gestellt. Sim (1997) betonte beispielsweise in seinem 1947 erschienenen Buch «Administrative Behaviour», dass Entscheidungsprozesse in Organisationen in der Praxis gegenüber der Theorie von diversen Einschränkungen geprägt sind: Die Akteure verfügen nicht über vollständige Informationen, und sie können vorhandene Informationen aus Zeit- und Kapazitätsmangel nicht umfassend verarbeiten. Akteure tendieren eher dazu, in praktischen Entscheidungsprozessen den Suchprozess dann abzuschliessen, wenn eine machbare und tragbare Alternative gefunden ist – auf die weitere Suche nach möglichen noch besseren Alternativen wird verzichtet. Daraus entstehen Entscheidungen, die nur beschränkt rational sind («bounded rationality»), und die eher eine Logik der Angemessenheit folgen, als der reinen ökonomischen Rationalität.“

(Aus: Rüegg-Stürm, J./Schedler, K. (Hg.) (2013): Multirationales Management, Haupt, S. 64)

Erstaunlich ist es schon, welche Erkenntnisse in Theorie und Praxis schon länger existieren und wie wenig sie zu Veränderungen von Entscheidungsprozessen zu führen scheinen (TB).